Definition

Diese Line-Veranstaltung findet insgesamt drei Semester lang im zweiten Abschnitt statt und dient der ausführlichen Vermittlung von anatomischen Kenntnissen, indem die Studierenden das theoretische Wissen in die Praxis Umsetzen. Heißt auf deutsch: es wird seziert!

Wer, wo, wie was?

Der Kurs findet einmal die Woche für ca. vier Stunden in einem der sechs Säle auf der Anatomie statt, wobei jeder Saal von einem zuständigen Anatomieprofessor geleitet wird. Innerhalb des Saales liegen zahlreiche Körperspenden zur Präparation auf Tischen bereit. Es übernehmen mehrere ProfessorInnen die Verantwortung für eine bestimmte Anzahl an Tischen innerhalb des Saales. Sie betreuen im Durchschnitt zwei Kleingruppen während des Kurses, sodass am Ende 6-7 Studierende zusammen an einer Leiche sezieren. Da man doch das ein oder andere Mal Hilfestellung von erfahreneren Personen benötigt, hat jeder Professor zusätzlich ein Team von TutorInnen. Im besten Fall steht also an jedem Tisch ein „Profi“, der den Studierenden über die Schultern schauen kann. Die meisten SaalleiterInnen bzw. TutorInnen sind super lieb und erklären dir das genaue organisatorische Procedere

Wird geprüft?

Damit die „Anatomie-Küken“ nicht auf gut Glück an den Körperspenden drauf los schnibbeln, wird Vorwissen vorausgesetzt. Entweder die ProfessorInnen höchstpersönlich oder die TutorInnen nehmen sich der Aufgabe an, die Studierenden während der Sezierstunden abzufragen. Du solltest dich in deiner eigenen Körperregion gut auskennen und die einzelnen Präparationsschritte aus der offziellen Anleitung nennen können.

Die Leistung wird koninuierlich, meist jede Woche, bewertet und ergibt am Ende des Semesters eine Endnote, die bei den Prüfungsergebnissen im MedCampus eingetragen wird.

Jeder Studierende ist am Tisch für eine eigene Region zuständig und soll in einem vorgegebenen Zeitraum bestimmte Strukturen am Körper dargestellt haben. Idealerweise teilen sich die Studierenden, die vom gleichen Professor betreut werden vor der ersten OM-Session schon untereinander für einen Tisch und für ihre favorisierte Regionen ein.

Niemand bleibt das komplette Semester lang an ein und der selben Region, sondern jeder „Sekant“ (= Person, die seziert) bekommt ein Paket mit unterschiedlichen Regionen. Nach ein paar Wochen rotieren die Studierenden am Tisch und arbeiten sich weiter an der Region des Vorgängers voran. Die Einteilung der Regionen und der Zeitplan stehen auf der Rückseite des OM-Skriptes (dazu später mehr).

Vor jedem Regionenwechsel sind sogenannte „Übergaben“ angedacht, bei denen auch die anderen Körperregionen geprüft werden, vorher musstest du ja nur deinen eigenen Bereich können. Die Übergaben sind meistens alle 3-4 Wochen und mit einem größeren Lernaufwand verbunden, weil man gleich das Vielfache an Lernstoff hat.

Das klingt alles sehr kompliziert und unüberblickbar, doch früher oder später wird sich die OM-Routine einstellen, versprochen!

Womit lerne ich am Besten?

Wie vorweg schon erwähnt wird ein offizielles OM-Skript, die sogenannte „Anleitung“ auf m3e veröffentlicht. Sie wird von der Studienvertretung Humanmedizin (s. Skriptendruck) jedes Jahr für alle Studierende des 4./5./6. Semesters in Druck gegeben und für einen niedrigen Preis auf der ÖH verkauft. Die Anschaffung des kleinen, kitteltaschentauglichen Büchleins ist übrigens für alle verpflichtend, da im OM Saal keine chaotische Zettelwirtschaft geduldet wird und alle Säle nach einer einheitlichen Anleitung arbeiten sollten.

Achtung, die Anleitung ersetzt kein Lehrbuch oder ähnliche Informationsquellen! Sie beinhaltet meist Schritt für Schritt eine Zusammenfassung der zu sezierenden anatomischen Strukturen und die Methoden, wie sie dargestellt werden sollen. Das Hintergrundwissen solltest du dir zusätzlich anhand eines Lehrbuches genauer aneignen.

Was die Bücher betrifft, so scheiden sich die Geister. Wenn wirklich präzises Anatomiewissen erwartet wird, führt vermutlich kein Weg am guten alten „Waldeyer“ vorbei. Ein dicker Schinken mit viel Text und dementsprechend vielen Informationen, bringt aber auch in puncto Übersicht einen kleinen Nachteil mit sich.

Atlanten wie z.B. der Prometheus oder der Sobotta sind ebenso schwere Schinken, nur beinhalten sie hauptsächlich Illustrationen im Dienste der Anatomie. Im Prometheus sind sogar häufig Textabschnitte mit guten Erklärungen dabei, aber grundsätzlich sind die Atlanten nicht so ausführlich wie die Lehrbücher.

Ein letzter heißer Tipp ist die „Duale Reihe – Anatomie“. Dieses Werk schafft das, was der Waldeyer nicht kann. Und zwar Übersicht mit zahlreichen Tabellen und kleinen Zusammenfassungen am Rande, sowie eine größere Anzahl an Bildern. Auch hier gilt: in manchen Fällen sind die Information hierdrin nicht präzise genug..

Ein kleiner Vorschlag zum Lernen:

  1. Such dir deine Region in der Anleitung raus und lies dir den entsprechenden Abschnitt dazu durch. Markiere dir ggf. die relevanten anatomischen Begriffe.
  2. Schau die Informationen zu der Region im Lehrbuch deiner Wahl (Waldeyer, Duale Reihe, evtl. Prometheus) nach.
  3. Ergänze das theoretische Wissen durch Abbildungen aus den Atlanten (Prometheus, Sobotta), damit du dir die Region besser bildlich vorstellen kannst.

Die endgültige Lernstrategie solltest du dir natürlich selbst überlegen. Manche schreiben z.B. gerne eine eigene Zusammenfassung, erstellen sich ein Anki Deck oder erstellen sich ein kleines Büchlein mit kleinen Abbildungen und Texten, das sie mit in den Seziersaal nehmen können.

#AllAroundOM: Sezierbesteck/Handschuhe & Kleidung 

Vorerst reicht ein 4er Griff Skalpell, dies ist die gebräuchlichste große Form und eine Pinzette. Handschuhe können aus eigenem Interesse freiwillig mitgebracht werden, sind aber für den Kurs nicht obligat, aber empfehlenswert. Von uns und der ÖH Med Wien gibt es zu euer ersten Seziereinheit ein Care-Paket in welchem auch Handschuhe enthalten sein werden. Der Formalingeruch wird sich jedoch dennoch als hartnäckig erweisen. Daher ist es auch ratsam Wechselkleidung mitzunehmen. Einige eurer KollegInnen werden sich für ein klassisches, blaues Set Scrubs entscheiden, sie sind allerdings nicht verpflichtend und ein paar nicht mehr genutzte Straßenkleidung tut es auch! Solange man den erforderlichen (mehr oder minder sauberen) Seziermantel im Saal trägt, wird niemand aufgrund der Kleidung nach Hause geschickt werden. (PS: Bitte tragt euren Seziermantel dann nicht in den anderen Seminaren in welchem ein Mantel gefordert ist. Eure KollegInnen werden es euch danken!)

#Spinde

Die Spinde können ab Vorlesungsbeginn des neuen Semesterbeginn besetzt werden. Sie werden erst unmittelbar nach Ende der letzten Seziereinheit des Semesters von uns und einigen fleissigen Helfern der ÖH Med Wien geräumt. Übrig gebliebene Gegenstände werden gespendet. Die Spindzuteilung kann an Listen, die in der Anatomie (Anschlagtafel links) und auch an vielen der Glastüren aushängen, entnommen werden. Außerdem wir die Liste in der Regel digital, also per Email oder auf Facebook zur Verfügung gestellt. Wenn ihr euren Spind gefunden habt und euch nicht sicher seid ob dies wirklich euer Spind ist, dann schaut oben links an das kleine Etikette. Dort sollte eure KG Nummer angeschrieben sein. Da zeitgleich zu OM1 auch OM3, OMZ und Z-Prop stattfinden, die Anatomie jedoch nur ca. 700 Spinde bietet, müsst ihr mindestens zu zweit einen Spind teilen. Daher sind eure Spinde meist etwas weiter auseinander gelegen und über die Stockwerke verteilt. Solltet ihr euch lieber ungestört umziehen wollen, empfehlen wir euch schon ca eine halbe Stunde früher zu kommen. Bitte nicht vergessen: Für die Spindbelegung braucht ihr ein eigenes Schloss! Am besten ist es daher euch schon am Wochenende in euren Kleingruppen abzusprechen wer mit wem zusammen in einen Spind einziehen wird.

#ELearning

Wie ihr sicher schon gehört habt, müsst ihr einen Moodle Einstiegstest in OM1 absolvieren. In den folgenden OMs wird euch Moodle eher als begleitendes Tool zur Verfügung stehen. Zur Vorbereitung auf den Einstiegstest könnt ihr die Folien aus BL2 wieder rauskramen und euch die „Kernfragen: Anatomie“ ansehen. Das ist so in etwa das Hintergrundwissen das, je nach Saal leicht abweichend, von euch „verlangt“ wird.

#Seziereinheiten 

Das Skript ist klein, handlich und passt überall rein. Das ist gut und gleichzeitig natürlich irgendwie schlecht. Es gibt euch einen Leitfaden, dem ihr folgen könnt, kann allerdings kein Lehrbuch ersetzen. Für alle, die sich also komplett überfordert fühlen hier die Vorgehensweise mit der wir meist am besten gefahren sind:

1) Nach der Sekanten-Einteilung (dieser erfolgt am besten vor der 1. Einheit selbstständig, siehe letzte Seite/Rückseite des Skriptes) schaut ihr euch die Überschrift eurer Region an und lest einmal über eure Sezieranleitung drüber. Markiert euch hier vielleicht wichtige anatomische Begriffe.

2) Sucht diese Region in einem Lehrbuch der Wahl (Duale Reihe, (Prometheus), Waldeyer etc.) auf und lest euch das Kapitel überblicksartig durch.

3) Nun solltet ihr schon einen groben Überblick bekommen haben welche Strukturen für euch relevant sind und wo diese ungefähr liegen. Das heißt es wird Zeit sich das ganze mal etwas bildlicher anzusehen. Heißt: Atlas (Sobotta, Prometheus) rausgeholt!

Überlegt euch was an eurer Region sichtbar wird, wenn ihr die Haut abpräpariert, und beginnt mit dem Wissen aus dem Buch und dieser räumlichen Vorstellung die wichtigsten Strukturen in den Bildern des Atlasses zu erkennen und in ihrem Verlauf anzusehen. Fragen sind dann zB. „Was tut diese Struktur? Wo kommt sie her? Wo geht sie hin? Hat sie bestimmte Eigenschaften?“

Damit wäret ihr schon sehr gut aufgehoben! Es empfiehlt sich übrigens ein kleines gebundenes Büchlein (zB. A5) als Zusammenfassungsort der Informationen anzulegen. Lose Zettel sind in dem Seziersaal gar nicht gern gesehen! Ein Büchlein hat zusätzlich den Vorteil, dass ihr auch während der Präparation eure Notizen ansehen und auch später in OM2 und 3 auf euer gesammeltes Wissen zurückgreifen könnt.

Ansonsten macht euch keine Sorgen! ❤️

Die meisten SaalleiterInnen und TutorInnen sind sehr lieb und freundlich, helfen euch durch das ganze organisatorische Prozedere und sagen euch auch meist in der ersten Einheit, welche Tiefe an Informationen sie von euch verlangen werden! Die von uns vorgestellte Methode zur Vorbereitung ist natürlich nur eine von vielen und ist einfach als guter Tipp zu sehen. Es gibt sicher Studierende, die mit einer anderen Lernart besser/leichter/schneller zurechtgekommen sind. Es liegt an euch während euren Einheiten ein geeignetes System zu finden! 🙂

Wir hoffen damit konnten wir erst einmal den Großteil eures Wissensdurstes stillen. Wenn nicht: Dann nur heraus damit! Postet einfach hier darunter oder schreibt uns eine PN. Ansonsten wünschen wir euch einen reibungslosen Einstieg, viele lehrreiche Stunden und Begeisterung mit der einmaligen Chance Anatomie auf diese Art lernen zu dürfen. …

PS: Wenn ihr die Spannung schon gar nicht mehr aushaltet:
Unser Prof. Weninger und einige andere bekannte Gesichter geben dort einen Einblick in die „Lehre der Toten“.

Den ganzen Beitrag mit allen Videos findet ihr hier: http://dossier.kurier.at/de/1Wf5AzlZ/die-lehren-der-toten